 In diesem Herbst fällt die Entscheidung um die Zukunft der Atomenergie in der Bundesrepublik. Die Anti-AKW-Bewegung ist deshalb in den nächsten Wochen verstärkt auf der Straße. Vom 29. August bis 5. September trecken Bäuerinnen und Bauern aus dem Wendland von Gorleben nach Berlin. Stationen sind die Endlagerstandorte Schacht Konrad, Asse und Morsleben. Zum Abschluss des Trecks findet in Berlin eine Anti-Atom-Großdemonstration statt.
Stefan Diefenbach-Trommer und Jochen Stay von .ausgestrahlt sowie unser Korrespondent Armin Simon bloggen über den Treck, die Demo-Vorbereitungen und die politische Debatte um die Zukunft der Atomkraft.
| Vernunft in Berlin unterwegs? |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 05. September 2009, 00:58
 Es ist gar nicht so politisch, gegen Atomenergie zu sein. Eigentlich geht es um eine reine Vernunftentscheidung. Wer demonstrieren geht, zu Ökostrom wechselt oder eine Anti-Atom-Sonne an die Tür klebt, verrät damit nicht, ob er grün, hellrot, dunkelrot, schwarz, blau, gelb oder gar nicht wählt. Gegen Atomenergie und für erneuerbare Energieen zu sein, ist Mainstream. Es ist sogar schick. Ganz normale Finanzfonds investieren in erneuerbare Energien, weil dort künftig die Gewinne herkommen, nicht vom Öl und AKWs. Geschäftsleute wechseln öffentlich zu Ökostrom, ohne je lange Haare getragen zu haben.
Das gefällt denParteien zwar nicht so ganz: Neuerdings sind es nicht mehr nur die Grünen, die sich als Ausstiegs-Partei darstellen, auch SPD und Linkspartei haben den Trend der Zeit erkannt. Die SPD ließ jetzt sogar ihren Steinmeier erklären, dass ein atomares Endlager in Gorleben nichts taugt. Die haben es verstan: Mit der Ablehnung der gefährlichen Atomkraftwerke lassen sich Sympathiepunkte sammeln.
Erkannt haben das auch die WählerInnen von Union und FDP. Sie sind mehrheitlich für einen Atomausstieg wie der Rest der Bevölkerung – und befürchten, dass der Pro-Atom-Kurs von Westermerkel nicht nur Sympathie-, sondern auch Prozentpunkte kostet.
Die Bewegung ist also in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Demonstrieren ist salonfähig. Jetzt müssen nur noch die Regierenden vernünftig werden.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Wir haben die Kraft |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 05. September 2009, 00:57
 Zu meinem Job bei .ausgestrahlt gehört, dafür zu sorgen, dass Geld für unsere Aktivitäten reinkommt, und darauf zu achten, dass wir nicht sehr viel mehr ausgeben, als wir in der Kasse haben. Aber keine Angst – dies wird kein Spenden-Blog, ich will nur am Beispiel von Spenden, die wir bekommen, etwas über die Kraft der Anti-AKW-Bewegung erzählen. Manchmal erreichen uns E-Mails oder Anrufe von Menschen, die sagen, sie könnten leider nicht zur Demo kommen, weil sie krank sind oder mit 80 Jahren nicht mehr reisen wollen. Sie könnten deshalb leider nur eine Spende überweisen. Solche Mitteilungen berühren, weil sie zeigen, wie vielfältig diese Bewegung ist und wie viele verschiedene Menschen genau das beitragen, was sie beitragen können.
Wir haben uns selbst streng verboten, mit Zahlen zur Menge der DemonstrantInnen am 5.9. zu jonglieren. Wir haben auch die Idee verworfen, in verschlossenen Umschlägen Prognosen zu sammeln. Aber eine Prognose wage ich dennoch: Es werden wahrscheinlich nicht all die 100.000 Menschen nach Berlin fahren, die bisher den Aufruf “Atomkraft abschalten” von campact und .ausgestrahlt unterschrieben haben.
Das ist aber auch egal – die Menschen, die zur Demo kommen, stehen für viele, viele mehr, und das wissen die Angsthasen von Vattenfall und die Demo-Plagiierer von RWE ganz genau.
Vor ein paar Tagen – ich weiß gar nicht, wo ich die Zeit dazu her nahm – sah ich mir die Aufzeichnung einer Diskussion zu Atomenergie während des taz-Kongresses vom März diesen Jahres an. Da saßen scheinbar drei Atomkraftgegner auf dem Podium, und doch fetzten sie sich. Zwei haben sich ganz gut vertragen: Matthias Machnig, Sozialdemokrat und Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, der in der Runde faktisch für die Grünen saß. Ihre Botschaft: Wählt uns, und wir sorgen dafür, dass der vor neun Jahren geschlossene Atomkonsens endlich zum Ausstieg führt.
Und dann war da Jochen Stay von .ausgestrahlt, der sich vorhalten lassen musste, er rufe die Leute auf, nicht wählen zu gehen, wenn er erklärt, dass es nicht ausreicht, sich auf Rot oder Grün zu verlassen. Die Parteivertreter bräuchten Druck von der Anti-AKW-Bewegung, sagte Jochen, und Matthias Machnig rief höhnisch: Ja, wo ist sie denn, die Anti-AKW-Bewegung?
Im Publikum antwortete ein taz-Veteran “Hier”. Und heute, kein halbes Jahr später, ist diese Bewegung so was von sichtbar. Ja, sogar die als altbacken geschmähte Anti-AKW-Sonne ist zu sehen. Zig Leute haben Geld gesammelt, damit in ihrem Wohnort Großplakate mit der Sonne kleben. Wir haben zunächst 100 Fahnen mit der Sonne herstellen lassen und uns vor den Kosten gefürchtet. Dann haben wir nochmal 200 bedrucken lassen. Und jetzt ist die dritte Lieferung mit 1.000 Fahnen noch vor der Demo fast alle.
Dass Thema Atomkraftwerke und Energie der Zukunft ist in aller Munde. Viele reden darüber, setzen sich auseinander, positionieren sich. Nicht alle Atomkraft-GegnerInnen werden deshalb nach Berlin kommen. Aber sie tun, was sie können. Und das ist auch daran zu sehen, dass beim Spendenportal, einem gemennützigen Dienstleister zum Spendeneinzug, im Moment ständig steht, dass jemand hohe Beträge an die BI Lüchow-Dannenberg oder an .ausgestrahlt gespendet hat. Auch das ist eine Demonstration…
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Widerstand in der dritten Generation |
| von: Jochen Stay am 04. September 2009, 15:34
 Es gibt nette Zufälle im Leben: Da hat die Bäuerliche Notgemeinschaft beschlossen, dass der so genannte „Tagestreck“, also der Treck derjenigen, die erst heute nach Berlin aufbrechen können, sich im Dörfchen Jeetzel bei Lüchow aufstellt. Das ist deshalb ein netter Zufall, weil ich mitten in Jeetzel wohne. So konnte ich heute in der Morgensonne einfach aus der Haustüre treten und Trecker zählen, die durchs Dorf rollen.
Natürlich ist Jeetzel viel zu klein für diese Unzahl landwirtschaftlicher Gefährte. Deshalb formiert sich der Treck schließlich auf einem kleinen Sträßchen außerhalb des Dorfes. Wie groß die Motivation der Bäuerinnen und Bauern ist, sieht man auch daran, dass schon eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrt fast alle da sind. Ich zähle am Ende 207 Trecker, viele phantasievoll geschmückt. Überall flattern die Wendlandfahne und die Fahne mit der Anti-Atom-Sonne im Wind.
Was mir auffällt: Viele der Fahrerinnen und Fahrer sind so jung, dass sie zum Zeitpunkt der Standortbenennung von Gorleben 1977 noch gar nicht geboren waren. Damit tritt nach bisher 32 Jahren mittlerweile die dritte Generation an, um den Kampf gegen die Atomindustrie fortzusetzen. Und wenn ich mir die Gesichter anschaue, dann ist völlig klar, dass die Unruhe im Wendland noch viele Jahre weitergehen wird, sollte nicht endlich Schluss sein mit wachsenden Atommüllbergen und dem Festhalten am ungeeigneten Salzstock Gorleben.
Angela Merkel müsste es eigentlich wissen: schon in ihrer Zeit als Umweltministerin Mitte der 90er Jahre, hat sie sich am Wendland die
Zähne ausgebissen. Drei Castor-Transporte rollten zwischen 1995 und 1997 nach Gorleben, jedes Mal nahm der Widerstand zu. Dann war erstmal Schluss. Merkel musste den Stopp aller Atomtransporte verkünden und der hielt immerhin bis zum Jahr 2001.
Heute geht es nicht mehr nur um Atomtransporte und Atommüll-Lager. Es geht ums Ganze: Der lang versprochene Atomausstieg muss endlich umgesetzt werden.
Ein Video zum Start des zweiten Anti-Atom-Trecks auf graswurzel-tv
| Fast ohne Worte |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 04. September 2009, 15:12
 Manchmal müssen wenige Worte reichen, weil sich die Ich-kauf-mir-eine-Protestbewegung-Leute selbst entlarven.
- RWE und die Freunde von E.on und EnBW schicken ihre Auszubildenden nach Biblis, um für Atomenergie zu demonstrieren. 1.500 Leute spielen demonstrieren. 3.000 hatte RWE dafür freigegeben.
- Weil RWE immer noch keine kreative Werbeagentur hat, nehmen sie einfach ein Symbol, das schon bekannt ist.
- Und nicht einmal neue Namen fallen ihnen ein (bitte den verlinkten Beitrag genau anhören!).
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Ostblock, Westblock, Blogger-Block |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 04. September 2009, 13:16
 Ab und an fragen uns Leute, wie die Blöcke auf der Demo aufgestellt werden und ob wirklich der schwarze Block kommt. Also, das ist so: Es gibt Gruppen, die rufen dazu auf, dass ihre AnhängerInnen einen Block in der Demo bilden. Dazu geben sie zum Teil Treffpunkte an. Die Grünen zum Beispiel treffen sich separat zunächst in einer Seitenstraße. SPD und Linkspartei üben – wohl unfreiwillig – für eine rot-rote Koalition und haben beide den gleichen Treffpunkt angegeben.
Auch Mitgliedsorganisationen des Demo-Trägerkreises und andere Verbände bieten ihren Mitgliedern erkennbare Treffpunkte an, um HelferInnen zu sammeln oder Fahnen auszugeben. Gruppen, die gegen Kohlekraftwerke und Kohleabbau kämpfen, rufen zu einem Anti-Kohle-Block auf. Es gibt den Aufruf zu einem antikapitalistischen Block und tatsächlich auch einen für einen schwarzen Block: Der stammt aber von Jochen Stay, der damit an die AKW-kritischen CDU-Mitglieder appellierte, zur Demo zu kommen.

Ob es einen schwarzen Block gibt oder nicht, der Gegenpol formiert sich: Spirituell orientierte Menschen rufen auf, einen weißen Block zu bilden, um ihre Liebe zur Welt zu teilen. Wer dort läuft, soll Mantras singen können und möglichst Harfen oder Didgeridoos mitbringen.
Tja, und wer sich keinem Block anschließen möchte, sondern einfach als AtomkraftgegnerIn kommt, der macht bei der Mehrheit der Blockfreien mit und fließt mit allen zusammen durch Berlin.
Was die Blockfreien und die Geblockten eint, ist die Forderung, dass Atomkraftwerke mal richtig abgeschaltet werden müssen. Dass dies eine Forderung der Mehrheit der Menschen ist, drückt sich auch darin aus, dass ganz verschiedene Gruppen auf ihre Weise an der Demo teilnehmen.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Ein Land in Bewegung |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 04. September 2009, 10:59
 Der Treck zeigt nun schon die ganze Woche eine Menge Farbe. Bunt sind die Traktoren geschmückt, bunt zusammengewürfelt sind die Leute, die mitfahren. Doch nicht jeder hat einen Trecker vor der Haustür stehen, um so nach Berlin zu kommen. Nicht jede hat die Zeit für die langsame Fahrt. Und manche haben auch nicht genug Geld, um die Reise zu bezahlen.
Viele von diesen Leuten treffen sich in der Mitfahrbörse, um eine gemeinsame Reise zur Demo zu organisieren und dabei Geld zu sparen. Ein Blick in die Gesuche und Angebote zeigt, wie vielfältig die Demo am Samstag werden wird.
Da werden Treffpunkte zum gemeinsamen Wochenend-Ticket-Fahren verabredet, VW-Bullis oder Nichtraucher-Enten aufgefüllt und auch sehr spezielle Verabredungen getroffen, zum Beispiel:
Wir fahren als kleine Wiesbadener Gruppe mit Regionalbahnen nach Berlin und Sonntag Nachmittag auch mit Regionalbahnen wieder zurück. Durch Musik, nette Leute und und gute Stimmung wird die Berlindemo somit zu einem nettem Wochenendausflug, der billig ist und Spaß macht! Wer ab Wiesbaden oder Frankfurt mitfahren will, um billiger und mit mehr Spaß nach Berlin und zurück zu kommen soll sich einfach melden.

Wer behauptet, Atomkraft-GegnerInnen wären faules Gesocks, das nie aus dem Bett kommt, wird auch eines besseren belehrt:
Treffpunkt Samstag schon um 5.12 Uhr ab Bremen Hbf über Hamburg Schwerin ..
Abfahrt am 5.9. 4.30 Uhr ab Nordseehalle Emden
Fahren mit einer ente Samstag sehr früh morgens nach berlin könnten uns in Essen am Hbf treffen könnten zwei Personen mit nehmen
Und wer die Angebote studiert, sieht: Der Treck wird am letzten Tag noch erheblich größer werden. Viele Angebote sind fürs ganze Wochenende, einige wollen bereits Freitagmittag den Treck in Potsdam erreichen.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Anti-Atom-FreundInnen legen los |
| von: Stefan Diefenbach-Trommer am 04. September 2009, 09:53
 Im Juni, als die Anti-Atom-Demo noch weit, weit weg erschien, haben wir uns überlegt, wie wir es schaffen können, dass die Demonstration am 5.9. richtig groß wird. Und eine Idee war: Die Leute, die in den vergangenen 30 Jahren schon mal gege Atomkraftwerke aktiv waren, die müssen kommen. Mit ihren Protesten hat die Generation gezeigt, dass es in Deutschland keine Mehrheit für Atomenergie gibt. Der rot-grüne Atomkonsens mit den Atomkonzernen war eine Folge der Proteste.
Und jetzt erdreisten sich die Atomfreunde aus Union, FDP, RWE und Co., von Laufzeitverlängerungen zu reden. Die Begrenzung der AKW-Laufzeiten soll vom Tisch gewischt werden, Protestgenerationen sollen um ihre Erfolge gebracht werden. Also ist es Zeit, dass Hüttendorf-Klaus und Wolljacken-Trude wieder aufstehen, nach vielen Jahren der Abstinenz wieder demonstrieren.
Wir hatten uns so ein bisschen Klassentreffen-Atmosphäre vorgestellt, wenn sich Leute nach zwanzig oder dreißig Jahren wieder treffen und heraus kommt, dass aus dem strikten Vegetarier ein Außenhandelsvertreter für Fleischereizubehör geworden ist, dass Heidi, die früher jeden Weg zu Fuß (und zwar barfuß) zurücklegte, heute gerne Cabrio fährt. Dafür hatten wir die Aktion Anti-Atom-FreundInnen aufgelegt, mit der sich DemonstrantInnen von früher finden können.

Und diese Aktion lief schlecht. Es gab keine Wiedersehens-Stammtische im Badischen oder in Frankfurter Szene-Vierteln. Auf Facebook und bewegung.taz.de vernetzten sich die Altaktivisten nicht in Bekennergruppen. Und die Einladungskarten zur Demo wurden nicht so richtig reichlich bestellt.
Doch je näher der Demo-Termin rückte, desto mehr kamen auch die Oldies in Schwung. Vor zehn Tagen hatten wir in einer Teilauflage der taz dann die Einladungspostkarten beigelegt und wurden von einer Flut an Postkartenbestellungen überschwemmt. Am vergangenen Wochenenden haben wohl viele Leute über alten Adressbüchern oder hektographierten Adresslisten von früher gesessen haben, haben im Internet nach aktuellen Adressen gesucht und ihre letzten Einladungs-Postkarten verschickt. Und bei uns kamen die Geschichten an, wie ehemalige AktivistInnen sich wieder auf eine Demo vorbereiten, mit ihrer alten Erfahrung Busse organisieren und auch Geld auftreiben, um Busse, Plakate und Treckerpatenschaften zu bezahlen.
Letztlich wohl eine Folge der Aktion Anti-Atom-FreundInnen steht heute in der taz: Armin Simon (der für die Klimaretter auch für diesen Blog schreibt) stellt einige derVeteranen der Anti-AKW-Bewegung vor, die sagen: Jetzt geht es wieder los! Und die dabei noch ein paar Generationen mehr mitbringen.
Wir sind uns sicher: Am Samstag werden viele neue Anti-Atom-Freundschaften geschlossen, die noch viel Wirkung zeigen werden.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Wachstums- und Wetterprognosen |
| von: Jochen Stay am 03. September 2009, 15:29
 Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad meldet: Aus der Region Braunschweig fuhren zur vorletzten Anti-Atom-Großdemonstration, die war in Gorleben im Jahr 2006, ungefähr 30 Leute in einem halb besetzten Bus. Zur letzten Anti-Atom-Großdemonstration, Gorleben 2008, waren drei Busse aus Braunschweig und Umgebung unterwegs. Für die Demo jetzt am Samstag in Berlin sind nun zehn Busse fast schon ausgebucht.
In Hamburg sind bisher 14 Busse voll, doppelt so viel wie zur letzten Großdemo. Es wird händeringend nach Busunternehmen gesucht, die
kurzfristig noch Fahrzeuge zur Verfügung stellen können. Der Sonderzug aus Rheinland-Pfalz und NRW, bei dem lange nicht klar war, ob die
Mindestzahl von 400 Tickets verkauft werden kann, ist jetzt fast ausgebucht – mit 800 Leuten. Aus Marburg sind im letzten Herbst nur
vereinzelt Leute nach Gorleben gefahren. Nach Berlin fahren zwei Busse.
Aus der Region Lüneburg, Uelzen, Wendland fahren zwei Sonderzüge, zwei Trecker-Trecks, fünf Busse und unzählige Leute irgendwie privat. Wie
viele AtomkraftgegnerInnen sich insgesamt individuell mit Auto und Bahn auf den Weg machen, können wir überhaupt nicht abschätzen. Wir wissen nur, dass aus über 100 Städten Busse oder Sonderzüge fahren.

Bleibt noch die Frage: Was machen die BerlinerInnen? In der Hauptstadt gibt es Tag für Tag durchschnittlich 6,3 Demonstrationen. Da müssen
selbst sehr engagierte Menschen Prioritäten setzen, wofür und wogegen sie demonstrieren. Dazu kommt noch, dass die Wetterprognosen nicht die besten sind und wir in Berlin natürlich auf viele Menschen hoffen, die sich spontan entscheiden, mitzudemonstrieren.
Aber wie hieß es so schön vor 30 Jahren, als die Massen zum Abschluss des Gorleben-Trecks in Hannover durch den strömenden Regen
demonstrierten: „Albrecht wir kommen – wenn’s sein muss auch geschwommen“ Außerdem: Regen ist bestes Demowetter für
PollenallergikerInnen. Günter Metzges von Campact schrieb mir: „Habe heute morgen Berliner Regen ausprobiert: ausgesprochen erfrischend und belebend.“
Na dann…
Den vielen JournalistInnen, die fragen, mit wie vielen Leuten wir denn in Berlin rechnen, sagen wir weiter: Fünfstellig.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Pfeffer in Morsleben |
| von: Armin Simon am 03. September 2009, 10:10
 „Sachzwänge vermeiden“ rieten Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre nahezu alle Experten, die man zum Thema Endlager in Gorleben befragte. Sie meinten damit: Keine unnötigen Investitionen in Gorleben, an dessen Eignung als Atommüllkippe sie schon damals gewichtige Zweifel hegten, stattdessen parallel Erkundung von anderen Standorten.
Die CDU/FDP-Bundesregierung unter Helmut Kohl schlug die Einwände in den Wind. Dafür teufte sie die Schächte des vorgeblichen „Erkundungsbergwerkes“ gleich in endlagerfähiger Größe ab, nämlich mit Durchmessern von fast 8 Metern. Mit Verweis auf die 1,5 Milliarden Euro, die dieses „Erkundungsbergwerk“ in Endlagerdimensionen bis heute gekostet hat, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel nun, Gorleben „zu Ende zu erkunden“ – also den Bau der Atommüllkippe am Standort Gorleben zu vollenden. Obwohl sich an der Geologie in Gorleben in den letzten 30 Jahren nichts geändert hat: Der Salzstock ist immer noch von Grundwasser überströmt, das Deckgebirge darüber löchrig und von der eiszeitlichen Gorlebener Rinne durchbrochen. Ganze „600 bis 1100 Jahre“, rechneten die amtlichen Experten schon 1983 vor, werde es in Gorleben dauern, bis das radioaktive Material sich im Grundwasser wiederfände.
Zu Ende bringen wollte Merkel in ihrer Zeit als Umweltministerin unter Helmut Kohl auch das DDR-Endlagerprojekt Morsleben. Obwohl die Grube von der ersten Stunde an undicht war, verhinderte Merkel selbst nach der Wiedervereinigung ihre Schließung. Stattdessen durften die westdeutschen Atomkonzerne ihren Müll zu Spottpreisen nach Morsleben karren. Die Sanierung der Kippe, also der Folgen der merkelschen Politik, kostet die Allgemeinheit heute bis zu 4 Milliarden Euro.
Als TeilnehmerInnen des Anti-Atom-Trecks, der heute in Morsleben Station machte, versuchten, auf das Bergwerks-Gelände zu gelangen, setzte die behelmte Polizei Pfefferspray und Hunde gegen sie ein. Es gab mehrere Verletzte. Erst gestern hatten Kletterer aus dem Treck den Asse-Turm bestiegen und dort ein Protestbanner gehisst. Merkels Altlast, Morsleben, sollte vor ähnlichem Protest wohl verschont bleiben. Was nicht ganz gelang. Denn die Anti-Atom-Sonne flatterte auch heute – von großen Silos, die vor dem Zaun stehen.
(Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG)
| Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen… |
| von: Jochen Stay am 03. September 2009, 05:01
 Ich liebe ja politische Agitation im Verkehrsfunk. Oder wie hier in einer Vorabmeldung der Polizei in der Märkischen Allgemeinen von heute: “Zu Verkehrsbehinderungen wird es am morgigen Freitag durch einen Konvoi von mehreren landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf den Bundesstraßen 5 und 189 kommen. Darauf hat die Polizei gestern hingewiesen. Die Veranstalter einer Demonstration für den Ausstieg aus der Atomenergie rechnen mit mehr als 150 Schleppern, die teilweise Anhänger mitführen, mehreren Tiefladern und zirka 50 Autos. Ihr Ziel ist Berlin.

Wie die Polizei mitteilte, werden die Fahrzeuge gegen 11 Uhr an der Elbbrücke bei Wittenberge (B 189) erwartet. Sie fahren auf der alten Bundesstraße 189 über Weisen nach Perleberg. In Perleberg geht es über die August-Bebel-Straße, Wilsnacker Straße und Pritzwalker Straße zur B 5 nach Berlin. Im Bereich der Fahrstrecke B 189/Ortsumgehung Wittenberge sowie in Perleberg werden die Ampeln während der Durchfahrt ausgeschaltet. In Kyritz auf dem Flugplatz Heinrichsfelde ist von zirka 13.30 bis 14.30 Uhr eine Pause des Demonstrationszuges geplant.
Die Polizei begleitet den Konvoi. Ein Überholen der Gruppe ist nicht gestattet! Die Polizei bittet alle Verkehrsteilnehmer um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme. Wenn möglich, sollte der Bereich des Demonstrationszuges umfahren werden.”
Dem ist nichts hinzuzufügen.
(Fotos: Andreas Conradt/PubliXviewing)
Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen…
Ich liebe ja politische Agitation im Verkrehsfunk. Oder wie hier in
einer Vorabmeldung der Polizei in der Märkischen Allgemeinen von heute:
“Zu Verkehrsbehinderungen wird es am morgigen Freitag durch einen Konvoi
von mehreren landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf den Bundesstraßen 5 und
189 kommen. Darauf hat die Polizei gestern hingewiesen. Die Veranstalter
einer Demonstration für den Ausstieg aus der Atomenergie rechnen mit
mehr als 150 Schleppern, die teilweise Anhänger mitführen, mehreren
Tiefladern und zirka 50 Autos. Ihr Ziel ist Berlin.
Wie die Polizei mitteilte, werden die Fahrzeuge gegen 11 Uhr an der
Elbbrücke bei Wittenberge (B 189) erwartet. Sie fahren auf der alten
Bundesstraße 189 über Weisen nach Perleberg. In Perleberg geht es über
die August-Bebel-Straße, Wilsnacker Straße und Pritzwalker Straße zur B
5 nach Berlin. Im Bereich der Fahrstrecke B 189/Ortsumgehung Wittenberge
sowie in Perleberg werden die Ampeln während der Durchfahrt
ausgeschaltet. In Kyritz auf dem Flugplatz Heinrichsfelde ist von zirka
13.30 bis 14.30 Uhr eine Pause des Demonstrationszuges geplant.
Die Polizei begleitet den Konvoi. Ein Überholen der Gruppe ist nicht
gestattet! Die Polizei bittet alle Verkehrsteilnehmer um besondere
Vorsicht und Rücksichtnahme. Wenn möglich, sollte der Bereich des
Demonstrationszuges umfahren werden.”
Dem ist nichts hinzuzufügen.
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