Demonstranten haben den Castor-Zug auf seinem Weg von Frankreich ins niedersächsische Gorleben rund elf Stunden aufgehalten. 5.000 Menschen sollen sich am Sonntag an Sitzblockaden und am Schottern allein im Wendland beteiligt haben. Zur großen Auftakt-Demo am Samstag kamen sogar 50.000. Live aus dem Wendland bloggt das Pressebüro von x-Tausendmal quer
Demonstranten haben den Castor-Zug auf seinem Weg von Frankreich ins niedersächsische Gorleben rund elf Stunden aufgehalten. 5.000 Menschen sollen sich am Sonntag an Sitzblockaden und am Schottern allein im Wendland beteiligt haben. Zur großen Auftakt-Demo am Samstag kamen sogar 50.000. Live aus dem Wendland bloggt das Pressebüro von x-Tausendmal quer
Ja, das war’s… Der Castor-Transport ist im Zwischenlager angekommen! Bald kehrt Ruhe ein im Wendland. Aber noch einmal war es hektisch. Fangen wir früher an. Es ist kurz vor 8 Uhr und die 2. Tasse Kaffe steht dampfend vor mir. Vier Stunden Schlaf sind echt zu wenig! Aber das geht ja heute fast allen hier so, also lassen wir das Thema. Ausgangssperre auch in Quickborn, selbst zukünftige Weihnachtsgänse dürfen nicht mehr über die Straße. Naja nachher ist ja wieder alles ruhig, müssen Sie sich noch etwas gedulden. Die Gedanken drehen sich um Strategie-Planungen, wenn der Castor über die Südroute fährt sehe ich nicht viel von hier, dann ist mein Aufenthaltsort sicherlich auf dem Deich bei meinem Boot. Was aber tun, wenn es wider Erwarten doch die Nordroute wird? An der Straße fotografieren geht, aber nur über den Zaun hinweg. Die Beamten sind freundlich und hoffen, dass ich nicht auf die Straße springe. Wir einigen uns auf fotografieren meinerseits und einen nicht so verkniffenen Gesichtsausdruck ihrerseits. Also vorn, alles klar. Da kommt auch schon die Twittermeldung: “Nordroute!” Bis der Castor vorn vorbei fährt, entscheide ich mich für mein Boot, liegt es doch ganz friedlich im Tümpel hinterm Haus. (Wie haben die’s eigentlich dort hingeschafft, der Kahn hat 1,4m Tiefgang, so tief sind Zufahrt und Tümpel eigentlich gar nicht). Also gehe ich an den Grenzen des Grundstücks entlang und beziehe Position auf dem Deich. Etwas seltsam ist die Stimmung schon, der Wasserwerfer steht bereit, die Truppe behelmte Polizei auf dem Deich und ich voll dabei. Dann kommt die Foto-Truppe der Polizei, knipst mein Boot und einer der Beamten fordert mich auf, den Deich zu verlassen. Ich kann ihm glaubhaft versichern, dass ich hier wohne und mich auf meinem Grundstück befinde, außerdem fotografiere ich ja nur. Also darf ich erstmal hier bleiben. Dann kommt etwas Hektik auf, durchs Funkgerät kommt das Wort “Paraglider”. Da fragt sich der Wendländer erstmal, was das ist… Google hab ich natürlich nicht in der Tasche. Dann sieht man ihn aber auch schon hinterm Boot über die Elbe kommen, Ahhhh, ein Paraglider ist ein Fallschirmspringer mit Motor, cool! Langsam entfaltet sich ein Transparent unter ihm, drauf steht: “STOP CASTOR”. Und er kommt näher, weiterhin Unruhe in den Reihen der Polizei, was tun gegen Paraglider?
Der gestern schon stationierte Wasserwerfer schwenkt kurz in die Richtung, bleibt aber sonst ruhig. Derzeit ist auf meinem Boot ein Kletterer den Mast hoch und harrt jetzt oben aus. Hm, was passiert da noch… Neben dem Knipsen des Paragliders schweifen meine Gedanken ab, bei Greenpeace und Schiffen fällt mir die Rainbow Warrior ein, gesunken 1985. Was, wenn die Beluga II demnächst in meinem Tümpel liegt? Verstohlen schaue ich mich um, aber es ist kein Sprengkommando in Sicht. Währenddessen dreht der Paraglider seine Runden über der Transportstrecke, die Polizei fordert ihn auf, nach Nord-Osten über die Elbe abzudrehen, macht er aber nicht! Das beschert mir gute Fotos! Nebenbei noch Gespräche mit den Nachbarn, die Hausdurchsuchung gestern war nicht wie vermutet bei unsrem Bauern, vor dessen Tür beim letzten Transport Betonpyramiden auf der Straße standen, sondern zwei Häuser weiter. Dort wohnt eine alte Dame, die wie fast alle hier über die Castor-Tage Besuch ihrer Kinder hatte. Ihre Tochter erzählt: “Wir haben ruhig mit Oma in der Stube gesessen, abgewartet was passiert. Mein Sohn war draußen, versuchte die Autobatterie zu überbrücken. Das Auto sollte noch vom Hof in die Garage. Auf einmal stürmten sie auf unser Haus zu, rissen das Tor auf und versuchten sich durch die geschlossenen Tennentore Zutritt zu verschaffen. Wir waren völlig perplex und wussten gar nicht so recht was passierte.” Ich denke nur, wie gut das ich drei Häuser weiter wohne… Nebenbei immer wieder Telefonate mit Quickborn, da ist der Castor gerade durch. Fotos gemacht, kleinere Diskussionen mit gestressten und nicht so freundlichen Beamten gab’s auch.
Ich schaue in Richtung Straße und sehe die Kolonne von Weitem kommen, wie versprochen darf ich mein kleines Kamera-Stativ auf dem Zaunpfeiler abstellen, ich spring auch bestimmt nicht auf die Straße vor den Tieflader. Der Paraglider dreht seine Runden vom Ortseingang Grippel bis nach Laase, im Moment sind sieben Hubschrauber da, um ihn “abzusichern”. Mehrere Aufforderungen an ihn, die
Auf dem Deich bei Laase fährt der letzte Transporter, der Paraglider ist nicht mehr zu sehen. Die Polizei rückt langsam ab, die Anwohner dürfen ihre Grundstücke wieder verlassen, jetzt wird es wieder ruhig hier. Vier Tage hatten wir Bewachung, eine Nacht hatte ich ein Boot und jetzt geh ich gleich etwas Schlaf nachholen… Vier Stunden sind echt zu wenig!
Aufgeschrieben von Kirsten / X-tausendmal-quer-Pressebüro Vor fünf Minuten ist der Castor durch Gorleben gefahren und rollt jetzt ins Zwischenlager – dafür hat dieser Transport über 90 Stunden und damit länger gebraucht als je zuvor. Das klingt vielleicht banal, symbolisiert aber die Entschlossenheit derer, die sich dem Atommüll auf den Gleisen und der Straße entgegen stellten. Mich beeindruckt vor allem die Vielfalt der harten und weichen Aktionen, die hier zu sehen waren und die unglaubliche Gemeinschaftsleistung, die sich dahinter verbirgt. Der Star hier im Wendland ist nicht ein Einzelner, sondern das Team. Das ist ein bisschen wie bei der Fußballmeisterschaft! Während sich Merkel und Röttgen hinter leeren Politikparolen verschanzten, bezogen die Menschen hier auf der Straße sehr deutlich Position. Hätten die Berliner Befürworter der Laufzeitverlängerung nur einen Hauch von Format, hätten sie sich im Wendland blicken lassen. So bleiben sie eben doch die glatten PR-Profis, von denen die Mehrheit der Bevölkerung so die Nase voll hat. Wie sehr die Menschen sich unter dem Eindruck von Stuttgart 21 und dem Wendland auf Engagement und Politik eingelassen haben, zeigte heute morgen eine Illustration in der Frankfurter Rundschau. Da waren Eltern und Kinder bei einem gewöhnlichen Laternenumzug vor ihrer Haustür zu sehen. Auf den Laternen prangten aber statt Sonne, Mond und Sternen die Symbole der Anti-Atomkraft und Bahnhofgegner. Protest hat also den Alltag erreicht – das ist die Botschaft, die über die Tage und Nächte im Wendland hinaus weist. Und natürlich denken die Menschen hier um mich herum längst weiter. Denn die Proteste gegen Atomkraft sind nicht zu Ende, weil die Castoren am Ziel sind. Die Regierungspolitiker sollte nicht hoffen, dass nun der Peak der Proteste überschritten ist. Die Ideenwerkstatt hier tagt bereits.
Die Castoren haben den Verladekran in Dannenberg verlassen und fahren jetzt über die Nordroute zum Zwischenlager in Gorleben. Über der Strecke in Grippel fliegt ein Paraglider von Greenpeace, Hubschrauber versuchen, ihn davon abzuhalten. Die Castoren sind in Quickborn und müssen jeden Moment in Grippel eintreffen.
Die Initiative X-tausendmal quer wertet die knapp 45-stündige Blockade des Zwischenlagers und die Proteste der vergangenen Tage als wichtigen politischen Erfolg. „Der entschlossene massenhafte Protest der letzten Tage ist ein starkes politisches Signal: Die Endlagerfrage ist ungelöst, Gorleben kein geeigneter Standort und die Verlängerung von AKW-Laufzeiten lebensfeindlich”, erklärte Luise Neumann-Cosel, Sprecherin von X-tausendmal quer. “Die schwarz-gelbe Energiepolitik ist unverantwortlich und nicht durchsetzbar. Die Polizei konnte die Straße räumen, doch die Regierung kann den Konflikt nicht ausräumen.” Sie sagte weiter: “Am Samstag haben wir mit 50.000 Menschen die bisher größte Demonstration im Wendland gegen Atomkraft erlebt. Tausende sind nach der Demo hier geblieben und haben sich mutig an gewaltfreien Aktionen beteiligt.” Von Sonntag auf Montag blockierten in der Aktion “Widersetzen” 5.000 Menschen das Castor-Gleis und ließen sich von Polizeigewalt nicht provozieren. Am Dienstag ließen sich 4.000 Menschen von der Straße vor dem Zwischenlager tragen. 1.000 von ihnen hatten zwei Nächte auf der Straße geschlafen, vor der klirrenden Kälte geschützt durch Stroh, Schlafsäcke und Rettungsdecken. Tagsüber bereiteten sie sich mit Trainings in gewaltfreiem Handeln auf die Räumung vor und hielten sich mit Tee, Suppe und Bewegung warm. “Ich bin beeindruckt von dieser entschlossenen Gewaltfreiheit”, sagte Julian Bank, Sprecher der Initiative X-tausendmal quer, die die 45-stündige Straßenblockade organisiert hatte. “Wir blockieren nicht nur den Castor, wir blockieren die unverantwortliche Energiepolitik der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Merkel wird merken, dass auch Atommüll-Transporte nach Russland und der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken auf entschlossenen Widerstand stoßen werden, denn die schwarz-gelbe Energiepolitik zerstört eine lebenswerte Zukunft.” Die Initiative X-tausendmal quer hatte die 45-stündige gewaltfreie Blockade organisiert. Am Sonntag waren mehr als 1.000 Blockierer um 11 Uhr auf die Straße gelangt. Montagabend gegen 21.30 Uhr hatte die Polizei die Räumung angekündigt, musste den Plan dann aber aufgeben, weil ihre Einsatzkräfte nicht an Trecker-Blockaden vorbei kamen. Erst Dienstagmorgen um 3.17 Uhr begann die Räumung. Die Blockierer wurden einzeln aus der Blockade getragen und konnten sich zunächst anschließend wieder auf die Straße setzen. Nach viereinhalb Stunden wurde die Polizei deutlich ruppiger und schleifte Demonstranten von der Straße.Um 7.25 Uhr wurde die Letzte von der Straße getragen.
So, das erste Foto am Morgen. Der Deich in Grippel, 50m von der Nordstrecke entfernt. Die Polizei wirkt entspannt und ist freundlich. Ich frage nach der Ausgangssperre, “Ja, ich darf Sie nicht von Ihrem Grundstück lassen.” Hm, aber auf dem Grundstück darf ich mich frei bewegen? “Na, aber klar doch!” Gut, dass auch ein Teil des Deiches dazu gehört, sonst hätte ich da wohl Probleme. Auch der Hintereingang zu den Nachbarn ist damit frei. Aber so früh am Morgen will ich da noch nicht stören. Also wird erstmal ein bisschen geknippst, mein Haus, mein Auto (siehe oben) und mein Boot…
So, ein neuer Tag, es war die richtige Entscheidung heute Nacht um 2Uhr. 4 Stunden Schlaf, yeah! Und nichts weltbewegendes verpasst. Kein Castor ist gefahren, die gesamte Transportdauer liegt jetzt bei 5290 Minuten. Gerade sind die 3 Aktivisten aus dem Hütt-LKW herausgekommen, nächste Frage: “Wie schaffen wir den LKW weg?” Das kann aber auch nicht mehr lange dauern. Die Betonpyramiden in Gorleben sind mit ´nem Hubwagen an die Seite geschafft worden und die Räumung am Zwischenlager geht voran.
Jetzt kommt die nächste spannende Frage, Nord- oder Südroute? Und wie lange wird es noch dauern bis der Castor drin ist. Wann dürfen wir wieder vor die Tür? Und was ist eigentlich genau ein Ausgangsverbot, darf der Hund noch in den Garten? Erstmal ´nen Kaffe und dann gehts mit angeleintem Hund und Fotoapparat auf den Deich, die Beluga II ist noch da und langsam wird es hell, das gibt sicher gute Fotos!
Die Greenpeace-Blockade Rockt! Und schließt Bildungslücken! Bis vorhin kannte ich den Ort Baunatal nicht, jetzt weis ich das er nahe Kassel liegt, 27.681 Einwohner hat und Geburtsort der Mächenerzählerin Dorothea Viehmann ist. Der größte Betrieb mit ca. 13.000 Mitarbeitern ist ein VW-Werk, eine weitere Firma ist die Hütt-Brauerei. Ein LKW mit Werbung für eben jene Brauerei hat Greenpeace vor ein paar Stunden vor die Ausfahrt des Verladebahnhofs gestellt. Naja und als am PC sitzender Techniknotdienst hat man ja nichts anderes zu tun als erst einmal Wikipedia zu lesen. Die Webseite der märchenhaften Brauerei wird heute sicherlich auch ein Zugriffshoch haben. Webseiten und deren Zugriffe, das ist ein noch viel zu wenig betrachtetes Thema dieser Tage. Der castorticker hat seine anfänglichen Schwierigkeiten überwunden und ist wie zu jedem Transport eine verlässliche Informationsquelle. Danke dafür! Seit ein paar Tagen habe ich mein Misstrauen gegen Twitter verdrängt und nutze den Kanal um Statusupdate von der Transportstrecke zu bekommen. Eine wunderbare Erfindung, Lieschen Müller(*Name geändert) Twitterte vom Bahnhof in Lüneburg “Der Castor Zug fährt ein.” Eine Weile später dann: “Und wieder raus”. Auch von den Gleisblockaden in Harlingen gab es regelmäßige Tweets. Faszinierend ist auch die Darstellung der #castor Tweets über LiveMap auf einer Karte. Jetzt darf bloß das Internet nicht ausfallen, während der Großkundgebung am Samstag war das Handynetz teilweise überlastet, SMS kamen Stunden verzögert an und auch unser ländliches Internet stößt an seine Grenzen. Immer wieder kurze Totalausfälle. Aber das sind wir hier im Wendland gewohnt, schließlich sind wir der Breitband unterversorgteste Landkreis Deutschlands. Dann kann man nur noch über´n Gartenzaun mit den Nachbarn reden. Rübergehen ist leider nicht mehr möglich, der Castorticker meldete um 20:45 – Grippel “Die BewohnerInnen in Grippel dürfen ihre Häuser nicht verlassen. Anwälte sind vor Ort. Über die Äcker ist Grippel noch zu erreichen.” Versucht hab ich´s nicht, nur mal kurz den Hund heraus gelassen, da wurde ich aber schon neugierig angeleuchtet. Und eine Durchsuchung wie beim Nachbarn möchte ich dann doch nicht provozieren.
Themenwechsel, schön zu sehen das es auch noch an anderen Stellen Blockaden gibt: Gerade klingelt das Telefon, der Mann einer guten Bekannten ist mit der Polizei aneinander geraten, alles etwas hektisch… Kurzfassung: die ganzen Tage über immer wieder nette Gespräche mit den eingesetzten Beamten an der Straßenecke, dann ein miesgelaunter Polizist der nervös an seinem Schlagstock rumspielt. Das lustig gemeinte: “Hey, du schaust ja aus wie ein Kinderschreck.” ist wohl falsch verstanden worden und schon lag der Mann am Boden, 3 Polizisten über ihm. Es war gleich ein Pastor da und konnte schlichtend eingreifen, gut das nichts weiter passiert ist.
Von Jutta / X-tausendmal-quer-Pressebüro Sprecherrat und Bezugsgruppen, Strohsäcke, Volksküche und Tischkicker Am Sonntagvormittag um viertel vor elf besetzte die Initiative X-tausendmal quer die Straße zum Zwischenlager. Nach mehr als 36 Stunden sind aus den 1000 Atomkraftgegnern, die sich am Vortag niederließen, fast 5000 Menschen geworden. Das Konzept der Aktion scheint aufzugehen: Wie vorher 1800-fach namentlich öffentlich angekündigt, sitzen die Aktiven dem Atommülltransport im Weg. Der gewaltfreie Widerstand wirkt durch die Vielzahl der Beteiligten und durch organisierte Deeskalation. Die Aktiven zeigen ihr Gesicht und haben sich sehr gut auf die Begegnungen mit der Polizei bis hin zur Räumung vorbereitet. Die Initiative betont, eine Aktion für Neueinsteiger und für Blockadeprofis zu sein. Am Sonntag war sogar die Mehrheit der Beteiligten „Ersttäter“. Schon ab Freitag konnten Interessierte im Camp der Initiative in Gedelitz Bezugsgruppen gründen und an Aktionstrainings teilnehmen. Die Aktionstrainings gibt es auch an der Straße vor dem Zwischenlager. Am Waldrand üben die Blockierer, wie eine Räumung vonstatten geht, sprechen über die Gefühle, die dabei aufkommen können und wie die Situation ohne Eskalation gestaltbar ist. Es ist saukalt. Aber die Stimmung ist grandios. Unser Aktions-Unterstützungsteam hat sich selbst übertroffen. Es gibt nicht nur Strohsäcke, Planen und Isomatten für Alle, sondern auch dauernd heiße Suppe, frische Pizza – und inzwischen sogar einen Tischkicker! Die Blockiererinnen und Blockierer sehen der zweiten Nacht gelassen entgegen. Wann die Räumung bevorsteht, ist weiterhin nicht absehbar, denn die Polizei hat durch die Greenpeace-Aktion und die der Bauern weiterhin viel zu tun. X-tausendmal quer blockierte 1997 zum ersten Mal einen Castortransport. Damals saßen 9.000 Menschen auf der Straße in Dannenberg gleich am Anfang der Straßenstrecke. Foto: Fiona Krakenbürger / echtfotografie
Von Kirsten / X-tausendmal-quer-Pressebüro Blockade wächst weiter in Richtung Gorleben Dorf – bereits 450 Meter lang. Hier überschlagen sich die Nachrichten. Ein Castor nach dem anderen wird auf die Tieflader gehievt und damit transportfähig für den letzten Teil der Strecke gemacht. Parallel dazu bewegen sich rund 300 Personen pro Stunde zur Sitzblockade vor dem Zwischenlager Gorleben. Rund 3000 Personen sitzen dort bereits – etliche seit über 24 Stunden und bei bitterer Kälte. Inzwischen ist es auch wieder stockdunkel. Trotzdem stehen natürlich alle unter Adrenalin. Wir versorgen alle, die dort sind, laufend mit dem aktuellen Presseecho. Da gibt es Kurioses wie die Meldung von den “tierischen Schutzschildern”, die die Demonstranten jetzt angeblich einsetzen würden. Gemeint ist eine Herde dickfelliger Schafe, die zäh und beharrlich die Straße versperrte. Inzwischen schwingen sich aber auch einige Kommentatoren auf, die massiven Proteste als “Folklore” nieder zu schreiben, die nichts änderten. Natürlich, liebe Kollegen, die verbohrte Atompolitik muss in Berlin auf politischem Parkett revidiert werden. Nur. Von alleine bewegt sich dort nichts. Erst die starke Stimme von außen – aktuell aus dem Wendland – wird Kanzlerin Merkel zu einer Kurskorrektur zwingen. Schließlich stehen demnächst mehrere Landtagswahlen ins Haus. Persönlich habe ich nie verstanden, weshalb eine Person, die wie Merkel in einem autoritären Regime aufgewachsen ist, jetzt selber so autoritär agiert und meint, solche Machtworte sprechen zu müssen. Und Ich empfinde ihr Verhalten als zutiefst antidemokratisch. Wenn die Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung agiert, ist die Politik falsch und nicht die Proteste der Bürger. Und letztendlich bringen die Proteste eben nicht nur die Fahrpläne des Castors durcheinander, sondern auch den Fahrplan der schwarz-gelben Regierung. Wir werden sehen, wie lange die Laufzeit dieser Regierung noch reicht. “Gute Polizei braucht keine Polizeieskorte”, kommentiert die Landeszeitung Lüneburg – überhaupt haben die Kollegen der Lokalpresse dieser Tage meinen großen Respekt! Aus den warmen Redaktionsstuben in Berlin wird gerne mal sehr abgehoben kommentiert. Wir machen uns hier auf eine lange Nacht der Entscheidungen gefasst. Flapsiger formuliert: wir warten auf das Finale Grande. Wir sind schon jetzt stolz darauf, bei einer Sternstunde des politischen Protests dabei zu sein. Foto: Malte Dörge / PubliXviewinG
So ruhig es hier sonst ist, soviel ist jetzt los. Grippel, ein Ort im Wendland. Halt, kein Ort, ein Ortsteil von Langendorf. Genau hier treffen sich die Nord- und Südroute der Straßentransportstrecke nach Gorleben. Seit Freitag früh sind wir das sicherste Dorf der Welt! Alle 50m ein Polizei-Bulli und patroullierende Polizei auf dem Gehweg. Ja, und da fängt das Problem auch schon an. Wenn unser Hund raus läuft wird gleich erstmal getestet wie schreckhaft der am Tor stehende Beamte ist. Bisher haben alle mindestens gezuckt… Also dann, tun wir dem Hund, und dem gerade Diensthabenden am Tor mal einen gefallen und gehen ein bisschen auf den Elbwiesen spazieren, da ist ja nur das Gras grün. So ziehen wir los, über den Deich auf die Wiesen. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht, nicht nur die Beluga II die auf der Elbe rastet sieht man, nein auch etwa 3 km des Elbdeiches bis weit hinter Laase kann man erkennen. Ganz fern sehe ich die Schafe, und höre Polizeidurchsagen “… 3. Aufforderung, sollten sie dieser nicht folgen wird geräumt…” Na ob die Schaafe das verstanden haben… Ich überlege kurz hinzugehen, ist aber weit, und ob ich da noch hinkomme? Außerdem habe ich gerade Wasserwerfer fahren sehen, nein, da möchte ich jetzt nicht hin. Also gehe ich weiter und schau mir das Schiff mal aus der Nähe an, ganz schön groß (Länge über alles 34 Meter). 2 Leute an Bord, einer winkt sogar zurück. Dann möchte der Hund auch schon wieder nach Hause, ist ihm wohl zu kalt. Auf dem Weg sehe ich keine Schafe mehr, alle weg. Ob das an den Wasserwerfern lag die ich vorbeifahren sehen habe? Scheint so, lese ich zumindest bei Twitter… UPDATE 19:51 Uhr – Die Beluga II steht jetzt direkt hinterm Haus in einem Seitenarm der Elbe, da hätte ich mir den langen Spaziergang sparen können. |
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Strecke zu räumen, bleiben erfolglos, ob der das dort oben überhaupt hört? Während des Fotografierens kurze Gespräche mit den Polizisten, ich frage: “Habt Ihr mitgezählt?” Der Beamte sagt “Nein, total vergessen.” Dann müssen wir beide schmunzeln, die LKW sind nummeriert, gerade fährt der neunte vorbei. Dann noch die letzten beiden, und viele, viele Begleitfahrzeuge. Anschließend noch ein kurzer Wortwechsel, ich: “Ich hab gelesen, ihr habt alle Dosimeter, was sagt Ihres denn?” – “Nein, ich hab keins, vorn in den LKW sitzen Kollegen, und deren Wert wird auch für uns gerechnet. Beim letzzen Transport war das noch anders.” – “Gut, dann wird ja mehr gerechnet als ihr hier abbekommen habt. Dein wievielter Transport ist das?” – “Ich bin schon seit Anfang an dabei, hab schon graue Haare bekommen.” (Er hebt seine Mütze kurz, ist wirklich grau.) Ich wünsch ihm noch eine gute Abreise nach Hause und gehe noch mal zu meinem Boot schauen.
Die Castoren haben den Verladekran in Dannenberg verlassen und fahren jetzt über die Nordroute zum Zwischenlager in Gorleben. Über der Strecke in Grippel fliegt ein Paraglider von Greenpeace, Hubschrauber versuchen, ihn davon abzuhalten. Die Castoren sind in Quickborn und müssen jeden Moment in Grippel eintreffen.
Aufgeschrieben vom X-tausendmal-quer-Pressebüro




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