Gemeint war die Initiative, das darf an dieser Stelle mal gesagt werden, von Astrid Matthiae (Moorburgtrasse stoppen). Für ihre Idee, eine Lesefest von unten zu veranstalten, das Eigeninitiative statt passiven Konsum will und dabei zugleich für den Wechsel zu Ökostrom wirbt, suchte sie sich weitere Bündnispartner und fand sie in der GEW, dem Stadtteilzentrum GWA St. Pauli Süd, dem Dokumentarfilmer Hans Peter Weymar und dem Verlag Edition Nautilus. Was den Kohle- und Atomkonzern betrifft, so will er sich nicht das Image eines Spielverderbers geben. Die SpielerInnen haben offensichtlich zu Herrn Kleimeiers Überraschung längst „das beste Alter“ erreicht, wie Christoph Twickel in einem Artikel über die Eröffnung der Umwelthauptstadt schrieb (Spiegel Online, 15.01.11)
Die Auftaktveranstaltung von „Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ mit Harry Rowohlt verlief denn auch wesentlich erfreulicher als das oben genannte Hüpfevent mit Bürgermeister und einem PR Etat von 1 Mio EUR. (Spiegel Online). Der Vattenfall Sprecher enthält sich derzeit weiterer Kommentare und lässt nun das Veranstaltungsprogramm der konzerneigenen Leseveranstaltung sprechen, in dem eine Reihe von Autoren aus verschiedenen Gründen ausfallen. Warum unsere Leseveranstaltungen gestern noch die kulturelle Vielfalt erhöhten und heute zum “Abschalten von Literatur” (SZ.de 07.04.11) beitragen, darüber kann gern diskutiert werden. Fest steht zumindest: Wer sich für den Erhalt der Vattenfall Lesetage ausspricht und gleichzeitig zum Ökostromer wechselt, übersieht die Frage, wo wir denn hinkämen, wenn das alle machen würden. Beim Nachsehen, wo wir denn hinkämen, ergab sich folgender Eindruck: vom “atomverstrahlten Kulturklima” (SZ.de) zum regenerativen Kulturklima ohne Vattenfall. Meiner Meinung nach nicht die schlechteste Idee. Auch Herr Briegleb spricht von einer verfehlten Energiepolitik. Man kann also davon ausgehen, dass er den HamburgerInnen nicht vorschlägt, ihren Strom bei einem Konzern zu beziehen, dessen Schrottmeiler unmittelbar vor unserer Haustür stehen, solange er nicht drei weitere AKWs baut. Man kann davon ausgehen, dass er keine Menschenopfer will, wie sie in Fukushima derzeit in Kauf genommen werden. Oder ist der Aufruf eher so zu verstehen, dass zwar die AKWs stillgelegt werden, die Netze aber auf jeden Fall bei Vattenfall bleiben sollen?
Einige Spendengelder trudeln nun langsam bei “Lesetage selber machen” ein und wir sind zuversichtlich, dass wir im nächsten Jahr ein noch umfangreicheres Programm zusammenstellen können. Es war und ist zwar viel Arbeit, zugleich bedeutet “Lesetage selber machen” jedoch auch selber gestalten und das ist ein tolles Erlebnis in einem kreativen kleinen Bündnis. “Vattenfall Tschüss sagen”, so sagt ja schon der Name ist dabei ausdrücklich erwünscht. Wir würden unser eigenes Motto konterkarieren, würden wir uns nicht ausdrücklich über die Teilnahme dieser AutorInnen freuen. Dass Teilnehmende “Vattenfall Tschüss sagen” kann eine Reihe mit Veranstaltungen an vielen kleinen und größeren Orten mit persönlichen Gesprächen eher erreichen als eine Großveranstaltung, deren Stärke vor allem darin besteht, das Gefühl zu vermitteln, Teil einer großen Bewegung zu sein.
Wir sehen es als unseren Erfolg an, dass durch unsere Initiative endlich darüber gesprochen wird, dass “…kein Autor, kein Regisseur und kein Künstler überleben könnte, wenn er sich gewissenhaft dieser Vereinnahmung verweigerte” (SZ.de). Es wird Zeit, dass über diesen unhaltbaren Zustand der Kultur in diesem Land endlich laut geklagt wird, statt ihn still auszuhalten. Ebenso unhaltbar ist die Medienpartnerschaft des Konzerns mit dem Hamburger Abendblatt, NDR 90,3 und dem Hamburg Journal in einem Land, welches sich seiner Pressefreiheit rühmt. Worin besteht die Medienpartnerschaft, wenn die Partner völlig frei und unabhängig agieren können?
Lesen Sie dazu auch den offenen Brief der Initiative “Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen” an den NDR




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