Eine Menschenkette von Brunsbüttel über Hamburg nach Krümmel, die Umzingelung des Atomkraftwerks Biblis und die große Demo zum Atommülllager Ahaus: Luise Neumann-Cosel und Stefan Diefenbach-Trommer von .ausgestrahlt sowie wir-klimaretter.de-Korrespondent Armin Simon bloggen über die Vorbereitungen zu den drei großen Anti-Atom-Aktionen am 24. April
Eine Menschenkette von Brunsbüttel über Hamburg nach Krümmel, die Umzingelung des Atomkraftwerks Biblis und die große Demo zum Atommülllager Ahaus: Luise Neumann-Cosel und Stefan Diefenbach-Trommer von .ausgestrahlt sowie wir-klimaretter.de-Korrespondent Armin Simon bloggen über die Vorbereitungen zu den drei großen Anti-Atom-Aktionen am 24. April
Oder mal nach einer Mitfahrgelegenheit schauen. Geht alles auf www.anti-atom-kette.de Und weil die Bekannte aus Berlin kommt, zieht es sie natürlich nach Elmshorn. Der Streckenabschnitt, an den nicht nur alle Menschen aus Bayern und Hannover, sondern auch alle anderen BerlinerInnen am kommenden Samstag pilgern. Die Berliner Umwelt- und Anti-Atom-Gruppen und die unterstützenden Parteien hatten sich mit der Busorganisation auch richtig Mühe gegeben: Es gab einen einheitlichen Ticketpreis, 25 Busse waren gechartert und die extra designten Fahrkarten konnte man an 10 Verkaufsstellen in der ganzen Stadt erstehen. Bis Montag. Dann waren sie alle ausverkauft. Also vielleicht doch mit dem Sonderzug? Der „Lichtblick“-Express direkt nach Elmshorn bietet ja immerhin Platz für mindestens 700 Mitreisende, viel Spaß an Bord inklusive. Und hier sind auch die genauen Fahrpläne mittlerweile online. Aber auch der war am Dienstag nur noch eins: Restlos ausverkauft. Und das ist offensichtlich kein rein Berliner Phänomen: Allein aus Oldenburg sind 10 Busse unterwegs, aus Bremen kommen 20 und auch für die Sonderzüge aus Kassel und München zur Menschenkette gibt es nur noch letzte Restplätze. Was uns schon zu der Twitter-Nachricht veranlasste: So langsam dämmert uns, dass das was werden könnte! Wer jetzt noch kein Ticket zur Menschenkettte, nach Biblis oder nach Ahaus am 24.4. hat, sollte sich also schleunigst um eines kümmern. Die Berlinerinnen und Berliner bemühen sich jedenfalls mit aller Kraft um zusätzliche Busse und sind zuversichtlich, alle Protestwilligen am Samstag nach Elmshorn bringen zu können. Auf www.anti-atom-kette.de findet man alle Infos zu Bussen aus Berlin und ganz Deutschland zur Menschenkette. Außerdem gibt es dort eine Mitfahrbörse, Ideen zur Reise per Rad und jede Menge Hinweise zur Anreise.
Von einem geheimen Plan von Rot-Grün berichtet dieser Tage der “Spiegel”. Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel wollten die Anti-Atom-Menschenkette am Samstag nutzen, um sich und ihre Parteien gemeinsam in Szene zu setzen: Dafür planten die beiden Parteioberen ein medienwirksames Treffen abseits der offiziellen Bühnen an Punkt X der Kette – einWahlkampfauftritt mit Blick auf die Landtagswahl am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen. Die ParteistrategInnen, schreibt das Magazin, witterten eine Chance, dort mit Anti-Atom-Positionen zu punkten.
Rot-grüne Anti-Atom-Positionen? Man könne „heute sehen, wie viel der Konsens von damals wert ist“, zitiert der “Spiegel” die Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke. Das kann man in der Tat:
Auch die Bilanz von Ex-Umweltminister Sigmar Gabriel, der sich heute gern als Anti-Atom-Kämpfer profiliert, sieht kaum besser aus:
AtomkraftgegnerInnen wissen also, dass sie sich beim Atomausstieg nicht auf Parteien verlassen dürfen. Deswegen gehen sie ja auf die Straße. Rot-Grün ist im Übrigen in noch genau einem einzigen Bundesland (Bremen) an der Regierung. Die Anti-Atom-Bewegung dagegen ist so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das werden die Umzingelung des AKW Biblis, die Demo am Atommülllager Ahaus und nicht zuletzt die 120 Kilometer lange Menschenkette auf spektakuläre Weise zeigen. AtomkraftgegnerInnen, ob nun parteilos oder rot-grün-schwarz-gelb-lila, streiten für die Stilllegung der Atomanlagen und für eine umweltfreundliche, nachhaltige, zukunftsträchtige Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien. Sie kennen den einzigen relevanten Maßstab für einen echten Atomausstieg. Der heißt: AKWs abschalten. Alles andere ist nur Schmu. In diesen Konsens können sich auch Jürgen und Sigmar gerne einreihen. FOTO: Umbruch Bildarchiv
“Verstärkt der Frage der Entsorgung zuwenden” will sich künftig beim Thema Atomkraft die CSU. Das beschlossen die Parteioberen auf ihrer heutigen Klausursitzung in Wildbad Kreuth. Konkret verabredeten sie – nach Beratung mit dem hierfür eigens eingeladenen Eon-Manager Klaus-Dieter Maubach – folgende Entsorgungsprojekte:
Vermutlich haben die meisten AtomkraftgegnerInnen in der CSU schlicht weder Lust noch Zeit, sich um das Geschwurbel aus Kreuth zu kümmern. Erstens ist die Laufzeit von Seehofers Äußerungen traditionell ziemlich begrenzt. Und zweitens haben sie dieser Tage selbst eine schwere atompolitische Entscheidung zu treffen: Reisen sie am Freitagabend im Liegewagen des “Greenpeace-Energy-Bayern-Express” zur 120 Kilometer langen Menschenkette “Atomkraft abschalten” (Zugtickets buchbar bis 20.4.)? Oder fahren sie am Samstagmorgen nach Hessen zur Umzingelung des AKW Biblis (auch dorthin fahren Busse, die man jetzt buchen muss)?
Nach mehreren Ausfällen von Elektronik und Pumpen sowie leckschlagenden Brennelementen hatte dort im Sommer 2009 einer der riesigen Maschinentrafos erneut seinen Dienst quittiert. Der gerade zuvor zwei Jahre lang reparierte Reaktor musste wieder notabschalten. PolitikerInnen von CDU bis Linkspartei forderten damals lautstark die endgültige Stilllegung des Pannen-Meilers. Die Bürgermeisterin der benachbarten Stadt Winsen (Luhe) hat deswegen nun einmal beim für Atomaufsicht zuständigen schleswig-holsteinischen Justizministerium nachgehakt. Eine behördliche Stilllegung eines AKW, heißt es von dort, sei nur möglich, wenn es “keine Abhilfe” gegen dessen Sicherheitsmängel gebe – entsprechende Überprüfungen im Falle Krümmels liefen noch. Offensichtlich, so muss man daraus schließen, sieht die Atomaufsicht in Kiel den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ein paar Klicks im .ausgestrahlt-Sicherheitscheck zeigen: Das AKW Krümmel ist nicht gegen den Absturz von größeren Flugzeugen geschützt. Es hat ein schwaches Notkühlsystem und eine unsichere Notstromversorgung. Immer wieder tauchten urplötzlich Risse in Rohren und Armaturen auf. Und dass beim Bau nicht passende Teile des Reaktordruckbehälters mit hydraulischen Pressen “zurechtgebogen” wurden, hat dessen Stabilität sicher nicht erhöht. Das AKW Krümmel wurde nach Plänen aus den 1960er Jahren gebaut, ist also technisch fast 50 Jahre alt. Selbst die CDU räumt in ihrem internen “Strategiepapier Kernenergie (PDF-Seite 21) ein, dass die allermeisten Sicherheitsdefizite solcher Uralt-Meiler auf deren Konstruktionskonzept zurückzuführen sind und sich deswegen auch durch Nachrüstungen nicht beheben lassen – kurz: “keine Abhilfe” möglich. “Keine Abhilfe”, auch das steht längst fest, gibt es desweiteren für die BewohnerInnen Hamburgs im Falle eines Reaktorunfalls in Krümmel. Denn der Sicherheitsbehälter des Siedewasserreaktors schmilzt im Zweifelsfall binnen Minuten durch. Für die Evakuierung der gesamten Region, das hat eine Greenpeace-Studie nachgewiesen, bleiben dann ganze drei Stunden Zeit. “Abhilfe” schafft allein die endgültige Stilllegung der Reaktoren. Die GKSS geht im Falle des FRG-1 mit gutem Beispiel voran. Jetzt muss Vattenfall mit Krümmel und Brunsbüttel nachziehen. Oder die Politik nachhelfen. Wir könnten beidem kräftig Nachdruck geben: Mit einer Unterschrift unter der .ausgestrahlt-Kampagne “Sag Nein”. Und natürlich mit einer eindrücklichen KETTENreAKTION “Atomkraft abschalten” am 24.4. Um die zum Erfolg zu machen, bleiben sogar noch 216 Stunden.
Am letzten Samstag war es zumindest vorläufig schon mal soweit: In mehr als 50 Städten zogen über 8.000 AtomkraftgegnerInnen los, um die Kettenreaktion für die bundesweiten Proteste am 24. April anzustoßen. Denn am 24. April, kurz vor dem 24. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, will die Anti-AKW-Bewegung mit Massendemonstrationen gegen Laufzeitverlängerungen protestieren. Dazu sind nicht nur Demos im nordrheinwestfälischen Zwischenlager Ahaus und eine Umzingelung des Uralt-AKW Biblis in Hessen geplant, besonders hoch im Norden haben wir ganz Großes vor: Mit Zigtausenden wollen wir eine 120 Kilometer lange Aktions- und Menschenkette zwischen den AKW Krümmel und Brunsbüttel bilden. Und das alles unter dem Motto „KETTENreAKTION – Atomkraft abschalten!“
Angesichts von so viel Wahnsinn sind große und mutige Protestaktionen dringend nötig. Dass wir das Menschenkette-Bilden aber mal im kleinen Stil üben sollten, bevor wir uns an die Langstrecke wagen, ist klar. Also gab es am vergangenen Samstag „Probeketten“ am laufenden Meter: In München wurden die letzten Tickets für den Sonderzug nach Norddeutschland verkauft, in Pinneberg, direkt an der Strecke, übte man für den Ernstfall am 24.4., und in Berlin bildeten Lukas und 2.000 andere immerhin schon mal 1,5 Kilometer Menschenkette. Hand in Hand (oder „Hand in Band“) ging es quer durch die Innenstadt. Gar nicht so leicht, ohne dass Lücken entstehen! Außerdem musste ja die „Stille Post gegen Atomkraft“ weiter gesagt werden und neugierige Passanten wollten auch informiert werden. Es bleiben also noch einige Kilometer zu füllen und einige Aktionen zu üben, bis am 24. April die Kettenreaktion ihren Höhepunkt findet. |
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Am Wochenende fragte mich meine Bekannte: Wie komme ich eigentlich hin zu eurer Menschenkette?
Von einem geheimen Plan von Rot-Grün berichtet dieser Tage der “Spiegel”. Jürgen Trittin und Sigmar Gabriel wollten die
“Verstärkt der Frage der Entsorgung zuwenden” will sich künftig beim Thema Atomkraft die CSU. Das beschlossen die Parteioberen auf ihrer heutigen Klausursitzung in Wildbad Kreuth. Konkret verabredeten sie – nach Beratung mit dem hierfür eigens eingeladenen Eon-Manager Klaus-Dieter Maubach – folgende Entsorgungsprojekte:
Wenn das mal kein gutes Zeichen ist: Neun Tage vor der 120 Kilometer langen Anti-Atom-Menschenkette von Brunsbüttel bis Krümmel trudeln bereits die ersten Abschalt-Ankündigungen von Reaktorbetreibern ein. Das Forschungszentrum GKSS in Geesthacht, in direkter Nachbarschaft zu Krümmel gelegen, teilte mit, es werde den Forschungsreaktor FRG-1 Ende Mai endgültig stilllegen. Die Region am südöstlichen Stadtrand von Hamburg wird damit erstmals seit vielen Jahrzehnten atomspaltungs-frei sein – der zweite Reaktor dort, das AKW Krümmel, liegt wegen technischer Defekte bekanntlich seit drei Jahren still.
“Wann gehts denn endlich los?”, fragt Lukas und zieht ungeduldig an der Hand seines Papas. Lukas ist 6, hat sich ein Schild mit der Aufschrift “KETTENreAKTION” umgehängt und kann es nicht mehr abwarten: Wann geht sie denn endlich, endlich los, die Kettenreaktion?
„So ein Wahnsinn!“, mag sich mancher angesichts dieser Pläne gedacht haben. Was uns allerdings viel wahnsinniger erscheint, sind unterdessen die atompolitischen Pläne von Regierung und Energiekonzernen: Vor knapp vier Wochen ließ Umweltminister Röttgen mitteilen, dass er den Salzstock Gorleben weiter auf seine Eignung als Endlager für Atommüll erkunden lassen will – obwohl bei dessen Auswahl in den 70er Jahren offenkundig politische Belange viel entscheidender waren als die geologische Eignung des Standorts. Heute veröffentlichte Greenpeace 
Klimakonferenz in Durban, Süd-Afrika: Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info, hat sich auf den Weg gemacht. „Ich will mich Afrika auch mit meinem Gefühl nähern“, sagt er – und reist einen Teil der Strecke mit Zug, Bus, Matatu oder Tuktuk.
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Die UN verhandelt derzeit ein neues Klimaabkommen: Ole Seidenberger bleibt als “negotiator tracker” der deutschen Delegation auf den Fersen
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Mehr als 10.000 Diplomaten, Wissenschaftler, Lobbyisten und Klimaschützer tummeln sich Dezember 2008 auf der 14. UN-Weltklimakonferenz. Wie das ist?
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