Am ersten Tag der UN-Verhandlungen empfängt uns Bonn mit Kälte und Nieselregen. Es ist für mich das erste Mal, dass ich mich als Akkreditierte für Friends of the Earth ins direkte Verhandlungsgetümmel stürzen darf. Bei der COP15 in Kopenhagen war ich auf der Straße und als Klimapiratin auf dem Segelschiff unterwegs gewesen. Ich bin Astrid, blogge diese Woche über, die ich in Bonn bin und von BUND-Seite das Klimaforum und die Anti-Kohle-Aktion am Samstag mit vorbereite und zwischendurch Verhandlungsluft im Maritim schnuppere.
Der erste Tag begann mit Pressefotos vor dem Maritim: Keiner will sich zu erst bewegen! fassten wir die Verhandlungssituation für die Journalisten und Delegierten auf dem Weg zu den ersten Arbeitstreffen zusammen. Mit mit riesigen Stangen spielten wir vor dem Eingang Mikado.
Später nach allen Sicherheitschecks zwischen Kronleutchtern, schweren Teppichen und Menschen aus aller Welt, die dreierlei verbindet: das stetige Tippen auf ihrem Laptop, ihr Einsatz für das Klima und ihre Nadelstreifen – ich sitze in meinem ersten Meeting, auf dem Fußboden, weil für NGO-VertreterInnen wohl kein Platz eingeplant ist. In diesem SBSTA-Meeting bewiesendie Delegierten Einsatz für das Klima und Freude an Jahre andauernden Diskussionen. In dem “Nebenorgan für wissenschaftliche und technische Beratung” ging es um das brisante Thema, ob CCS (wir pusten CO2 aus Kohlekraft etc. in die Erde und hoffen, dass es nie wieder entweicht) in die Liste der CDM-Projekte aufgenommen werden sollte. Das sind Projekte in “Entwicklungsländern”, die für Einsparung von Treibhausgasen sorgen sollen und daher CO2-Zertifikate abwerfen, welche die Industrienationen einkaufen. Dafür müssen sie im eigenen Land weniger Einsparungen vornehmen. Wie nicht weiter verwunderlich, sprachen sich die erdölproduzierenden Länder wie Norwegen und Saudi-Arabien für die Aufnahme von CCS aus, wohingegen Jamaica, Barbados, Brasilien usw. Einwände gegen die wenig ausgereifte CCS-Technik vorbrachten. Obwohl nach langer Diskussion “informelle Treffen” anberaumt wurden, in denen Kompromissvorschläge erarbeitet werden sollen, war sehr deutlich: wie im Mikadospiel bewegt sich hier gar nichts. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass sie siese Diskussion seit etwa 5 jahren führen würden und sich weder ihr Kenntnisstand noch ihre Position geändert hätte. Mit dem Einwand: irgendwie müsse aber ja weiter verhandelt werden, wurde die Sache vertagt.
Wie kann irgendeine Kraft Schwung in die Verhandlungen bringen? Wie können die unterschiedlichen Interessen unter einer neuen (oder alten) Idee gebündelt werden? Mit diesen Fragen im Kopf warte ich darauf, was der morgige Verhandlungstag bringen wird.


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