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Noch zwei Tage bis zum KlimaforumPrint This Post Artikel versenden
von: Astrid Goltz am 01. Juni 2010, 23:10  

Im Plenarsaal sitzen alle Ländervertretungen, oben auf der Tribühne die VertreterInnen der NGOs. Vormittag bei den Verhandlungen im Maritim-Hotel: Zuerst hörte ich mir bei einem Treffen von CJN (Climate Action Network) die Einschätzungen einiger internationaler NGO-Vertreter zum Stand der Verhandlungen an, dann versuchte ich es wieder einmal selbst mit dem Verstehen. Ich setzte mich in die Eröffnungs-Session der AWG-LCA (Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention: es geht um Reduktionsziele von Statten, die Kyoto nicht unterzeichnet haben wie die USA oder Länder des globalen Südens und um finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen letzterer Länder). Die war wirklich sehr lange mit Eröffnung beschäftigt. Volle zwei Stunden lang gab es Berichte vorangehender Arbeitstreffen und als es mit dem zu verhandelnden Text losging, folgten wieder keine konkreten Aussagen. Mein Verstehen ist ziemlich limitiert: mal fallen die Kopfhörer aus und ohne sie ist die Übertragung viel zu leise, mal verliert sich für mich der Sinn in endlosen Satzschleifen, durch die die Vokabeln “Transparenz schaffen” “gegenseitiges Vertrauen” und “ein stakes und verbindliches Abkommen” geistern.

Kontrolle2_largeMutig fand ich im Vergleich zur diplomatisch weichgekochten Sprache das Statement des Delegierten aus Bolivien, der vom Alternativen Klimagipfel in Cochabamba berichtete. Mit Bezug auf den Cochabamba Accord stellte er deutlich die Marktmechanismen des Kyoto-Protokolls (und seines voraussichtlichen Nachfolgeabkommens) in Frage, sowie Techniken wie Geoengeneering und CCS, betonte die Rechte indigener Völker und der Erde selbst und sagte am Ende: entweder wir retten den Kapitalismus oder wir retten die Natur und die Menschen! Ohne standing ovations ging das Dahingepätschermonoton abgelesener Textpassagen danach weiter. Schade.

Leider konnte ich das Plenum nicht zum Ende verfolgen, vielleicht haben sie sich die kontroversen Diskussionen für den Schluss aufgehoben? Ich also raus aus dem Plenarsaal, lasse am Ausgang wie üblich mein Namensschild abscannen und mein Foto grinst mich zum Abschied vom Bildschirm an. Sicherheit wird hier ganz groß geschrieben, beim Ein- und Ausgang fühlt man sich wie auf dem Flughafen.

Schon ist die letzte Telefonkonferenz für die Vorbereitung des Klimaforums. In zwei Tagen geht es los und wir haben satte 240 Anmeldungen! Den Rest des Tages verbringe ich mit Handy am Ohr, Tastatur unter den Fingern, Zetteln in der Hand und Schoki in der Nähe. Morgen zieht es mich wieder ins Maritim. Ich will endlich herausfinden, ob die Verhandlungen an Fahrt gewinnen, ob NGO-Vertreter weiterhin auf dem Fußboden sitzen müssen und ob die Kopfhörer der Delegierten auch so oft ausfallen wie meine heute.

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