Im Vergleich zur Konferenz im hektischen Treiben von Bangkoks Tuk Tuks mutet das großzügig gestaltete Konferenzzentrum in Barcelona fast gemütlich an. Doch alles andere als Gemütlichkeit ist diese Woche angebracht. Nach gut zweitägiger Zugfahrt aus Berlin macht uns das Policy-Team von Oxfam schon am Sonntag morgen schnell klar: Diese Woche geht es um alles. Um all das, was vor Kopenhagen entschlossen werden kann und sollte, um dort auf Minister-Ebene effektiv und zielführend verhandeln zu können. Zu allem Überfluss bleiben uns dieses Mal nur 5 Verhandlungstage. Bedenkt man, wie lange alleine Eröffnung der Session und Akklimatisierung der aus rund 190 verschiedenen Ländern angereisten Delegierten dauert, schwindet die Hoffnung auf greifbare Ergebnisse.
Ich bin als deutscher “Tracker” Teil des “Adopt a Negotiator” Projekets und verfolge als solcher die deutsche Delegation bzw. Nicole Wilke, unsere deutsche Chef-Delegierte. Insgesamt sind wir im Rahmen des Projektes nun schon seit “Bonn 2″ im Juni Teil des Verhandlungsprozesses. Viele von uns jedoch sind schon weit länger dabei. So etwa Adam (aus Kanada), der schon in Bali Anfang 2007 verfolgen konnte, wie mühselig der Bali Action Plan auf den Weg gebracht wurde, aber auch, wie der politische Druck eine Verhanderlin (die US-Delegierte) zum einknicken und einen Vorsitzenden (Yvo de Boer) zum Weinen bringen kann.
1.000 Wecker schlagen Alarm: Die UN-Konferenz in Barcelona startet mit einem Weckruf fürs Klima
Seit dem ist viel passiert – und gleichzeitig erschreckend wenig. Viel: Auf wissenschaftlicher Ebene. Fast im Wochentakt werden neue Erkenntnisse veröffentlicht, die uns deutlich machen, wie viel drastischer der Klimawandel unsere Erde im Griff hat, als wir bis zum gegebenen Zeitpunkt annehmen konnten. Von 60 Prozent notwendiger Durchschnitts-Reduktion bis 2020 ist laut aktuellem Zeit-Artikel bereits die Rede, wenn wir das 2 Grad Ziel noch schaffen wollen. Noch vor wenigen Wochen schienen 40 Prozent zu genügen, vor einem Jahr waren es gar 25 Prozent. Verhältnismäßig wenig passiert angesichts dieser sich erhärtenden Fakten derweil im politischen Schachspiel. Fast meint man, einige der Spieler dieser Partie wollten ihre Mitspieler schlichtweg aushungern lassen, indem sie sich übertrieben viel Zeit für den nächsten Zug lassen.
Darunter leider auch unsere einstige Klimakanzlerin Angela Merkel, die vergangene Woche beim EU-Treffen zum Thema “Klimafinanzen” gesagt haben soll, mit konkreten Zahlen und Finanzierungsangeboten solle man ruhig noch etwas warten, bis Obama einen konkreten Schritt nach vorne mache. So zumindest zitiert sie Spiegel Online (Auch im Video-Interview mit mir gab sie zu, keine klare Strategie gegen den Klimawandel zu haben). Die Industrienationen pokern also mal wieder – und spielen selbstredend nicht mit offenen Karten.
Uns Trackern, aber auch sämtlichen NGO-Vertretern, sowie den Delegierten der Entwicklungsländer bleibt damit nur Spekulation & Hoffnung. Spekulation, was als nächstes passieren könnte und Hoffnung, dass die EU oder die USA endlich den ersten Schritt machen. Heute ist Merkel zu Besuch in Washington. Angeblich will sie dort Obama zu nächsten gemeinsamen Schritten auffordern. Und der Druck wächst auch hier bei den Verhandlungen spürbar: Gestern verkündete Gambia in der Kyoto-Arbeitsgruppe, dass die African Group die Verhandlungen so lange blockieren wird, bis die Industrienationen endlich mit ambitionierteren Zielen und konkreteren Finanzzusagen auf die Entwicklungsländer zugehen würden.
Tag 1 in Barcelona: Big Head Merkel trifft Ole Seidenberg
Einziger Haken: Selbst innerhalb dieser massiv vom Klimawandel betroffenen Gruppierung gibt es diverse Motivlagen. So war beispielsweise Süd-Afrika nicht anwesend, als Gambia sprach – und ganz offensichtlich nicht an der Planung dieser Blockade beteiligt. In NGO-Reihen munkelt man deshalb heute früh: Vielleicht hat auch diese Blockade-Taktik ihren Ursprung einmal mehr in den Köpfen der OPEC-Mitglieder innerhalb der African Group, die aus Eigeninteresse ohnehin die Verhandlungen blockieren wollen.
Mir wird an diesen Beispielen einmal mehr bewusst: Ich bin zwar nah dran an den Verhandlungen, aber dennoch weit davon entfernt, die strategischen Überlegungen einzelner Parteien zu durchdringen. Heute oder morgen treffe ich, wenn alles glatt läuft, Nicole Wilke. Obwohl sie mich gestern überraschend freudig beim Empfang der katalanischen Regierung begrüßte, bleibe ich zurückhaltend, was meine Erwartungen hinsichtlich klarer Worte angeht. Ich werde sie nach der neuen Regierungskoalition in Deutschland und der Bedeutung für die Klimaverhandlungen fragen. Nach ihrer Einschätzung zu Merkels Strategie. Und natürlich danach, wie viel sie meint, in 5 Tagen erreichen zu können. Dann werde ich hier berichten… und hoffentlich optimistischer auf die verbleibendenen 32 Tage bis Kopenhagen blicken.
Mehr Blogbeiträge (in 8 verschiedenen Sprachen) von uns Trackern zu den Verhandlungen in Barcelona & Kopenhagen findet Ihr unter www.adoptanegotiator.org

Klimakonferenz in Durban, Süd-Afrika: Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info, hat sich auf den Weg gemacht. „Ich will mich Afrika auch mit meinem Gefühl nähern“, sagt er – und reist einen Teil der Strecke mit Zug, Bus, Matatu oder Tuktuk.
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Mehr als 16.000 Diplomaten, Wissenschaftler, Lobbyisten und Umweltschützer
Die UN verhandelt derzeit ein neues Klimaabkommen: Ole Seidenberger bleibt als “negotiator tracker” der deutschen Delegation auf den Fersen
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6.000 Diplomaten, Lobbyisten und Klimaschützer fliegen in Dezember 2007 zum Klima-Gipfel. Wie man mit dem Zug nach Bali kommt – Ein Reiseblog
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Ein kritischer Blick auf die internationale Klimapolitik: Die Wochenschau aus Bangkok
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Im August 2008 trifft sich in der Hansestadt die deutsche Klimabewegung zum ersten Klimacamp. Ein Blick hinter die Kulissen
Ich befürchte, dass der Mensch (die Menschheit) so gestrickt ist, dass man mit Vollgas (im wahrsten Sinn des Wortes) auf den Abgrund zu fährt und glaubet es reicht wenn man im letzten Moment bremst.
Man hat fast das Gefühl, dass man demit zufrieden sein muss wenn überhaupt über Klimaschutz geredet wird – damit wird zumindest mal festgestellt, dass es einen “Abgrund” geben könnte. War ja lange Jahre auch umstritten dass wir überhaupt etwas mit den Klimaänderungen zu tun haben. Das scheint wenigstens inzwischen geklärt zu sein.
Die Frage wer nun bereit ist hier etwas substantielles auch zu tun, wird wohl die nächsten 10 Jahre genauso weitergehen wie bisher.
Klimaschutz mag “hype” sein – aber für die Industrieländer nur dann wenn es nichts kostet, oder noch besser wenn man daran irgendwie verdienen kann.
Die Schwellenländer wollen verständlicherweise ihren Aufschwung such nicht gefährden und an die bisherigen Großen anschließen. Und die wirklich armen Länder haben zu Recht kein Verständnis dafür, dass sie alleine unter den Folgen einer Jahrzehntelangen Energieverschwendungspolitik leiden sollten.
Also ich sehe da eigentlich keine Chance irgendwie zu einem Konsens zu kommen und einen globalen Klimaschutz ernsthaft durchsetzen zu können so lange Umwelt als kostenloses Gut gesehen wird.
Also müssten die Umweltkosten eben wirklich ernsthaft in die Produktionskosten eingerechnet werden. Überseetransporte kosten derzeit “nichts” – sei es per Schiff oder sogar Flugzeug, weil es eben nirgends eingerechnet wird was uns ein verschmutztes Meer und eine kaputte Atmosphäre bedeuten. Wie haben einen Energieverbrauch der mehr oder weniger ungesteuert steigt weil Energiesparen nicht wirklich lebensnotwendig ist. Ich hab nur zum Spaß mal grob überschlagen was Energie wirklich bedeutet. Ein Mensch kann ungefähr 200 Watt leisten – wer sich also auf eine Fahrrad mit Dynamo setzt und 5 Stunden wirklich kräftig strampelt erzeugt also eine Kilowattstunde.
Also hat man mit 5 Stunden intensiver Arbeit einen Wert von (derzeit) etwa 14 Cent geschaffen.
Oder aber anders gesagt – mit einer Kilowattstunde kann man sich durch elektrische Geräte und Maschinen 5 Stunden harte Arbeit ersparen (und wenn ich an Wäschewaschen von vor 100 Jahren denke kommt das durchaus hin).
Ich fürchte wir alle wissen schon lange nicht mehr was Energie also wirklich bedeutet und für uns leistet. Und wir verschwenden diese Energie für völlig unsinnigs wie auch Transporte.
Die derzeitige Wirtschaft ist auf enorme (viel zu billige) Transportstrecken aufgebaut eine Berücksichtigung der Umweltkosten würde alles was wir benötigen wahrscheinlich wesentlich teurer machen, aber ich finde dass da eigentlich kein ernsthafter Weg um eine solche Lösung herumführt. Was wir haben und was wir brauchen hat einen “Wert an sich” der eben irgendwann wieder einmal ernsthaft auch anerkannt werden muss.
Aber ich glaube – wirklich lernen werden wir dies erst wenn Öl wirklich knapp wird. Dann wird Energie plötzlich den Stellenwert bekommen der ihr zusteht.
Aber genausogut ist zu befürchten, dass dann eben Kohle plötzlich wieder interessant wird und damit der Klimaschutz noch weniger beachtet wird.
Kommentar von Bernd — 15. November 2009 @ 14:26